Text und Bilder: Siegfried Rüdenauer, Vilsbiburger Zeitung

Rund 200 Besucher - Weltladen Vilsbiburg feiert 20-jähriges Bestehen

Mit fast 200 Freunden, Wegbegleitern und Mitgliedern hat der Weltladen am Freitagabend sein 20-jähriges Bestehen gefeiert. Gemeindereferent und Laden-Mitgründer Jerry Valentin würdigte den Charakter des Ladens so: "Der Vilsbiburger Weltladen ist ein Zeichen, dass es Menschen gibt, die an andere denken und dass es Menschen gibt, die Idealismus haben." Für die großartige Musik des Abends in der Mittelschul-Aula sorgte Hubert Treml mit seinen Die-Welt-is-a-Dorf-Musikanten.
Im Weltladen an der Kirchstraße gibt es Kaffee, Tee, Schokolade, Wein, Keramik, Stofftaschen und andere Produkte. Um was es bei dieser Art von Geschäft geht, fasste Valentin prägnant so zusammen: "Die umfangreiche Produktpalette im Weltladen hat nicht nur Qualität, sie ist zugleich auch Weltpolitik im Kleinen." Denn diese Produkte stammten aus fairem Handel.
Valentin bedankte sich bei den Ehrenamtlichen des Weltladens und den Aktionsgruppen aus den umliegenden Pfarreien: "Sie waren es, die die Ideen des fairen Handels aktiv unter Ihre Mitmenschen gebracht und in vielen Vernetzungen dafür geworben haben." Stolz fügte er hinzu, dass das, was vor mehr als 20 Jahren mühsam begonnen habe, heute zu einem Aushängeschild der Vilsbiburger Entwicklungs- und Missionsarbeit geworden sei.

Globale Ethik tut not

Im weltpolitischen Teil seiner Rede wies der Gemeindereferent darauf hin, dass der Gedanke einer globalen Ökonomie allbeherrschend sei. "Der Gedanke einer globalen Ethik hinkt demgegenüber aber noch immer hinterher." Die gegenwärtige Form der Globalisierung als wirtschaftliche Liberalisierung gehe an den Interessen der Mehrheit der Weltbevölkerung vorbei. Valentin ging auch auf das derzeit vieldiskutierte Thema Sicherheit ein, das sehr hoch gehalten werde. Demgegenüber werde aber vergessen, dass Gerechtigkeit das wesentliche Fundament für mehr Sicherheit bedeuten würde.
Die Einschätzung, dass die Arbeit der Weltläden nur ein Tropfen auf den heißen Stein sei, kenne er. Dem entgegnete er mit der Hoffnung darauf, dass der Tropfen auf den heißen Stein der Anfang eines Regens sein möge. Angesichts dessen könne die entwicklungspolitische Bildungs- und Informationsarbeit nicht hoch genug eingeschätzt werden können. Valentin: "Was unsere Welt dringend braucht, ist Solidarität statt Zersplitterung in viele ungleiche Teile."

Daran, wie Solidarität in den vergangenen 20 Jahren gelebt wurde, erinnerten sich die Besucher besonders, als sie an Wandtafeln mit Zeitungsartikeln und Fotos entlanggingen. Im Gespräch mit der VZ waren alle begeistert: von der Arbeit im Weltladen und der kurzweiligen Feier. Unter den Gästen war übrigens auch der ehemalige Stadtpfarrer Siegfried Heilmer. "Mich freut es, dass der Weltladen schon 20 Jahre lang besteht und so aufgeblüht ist", sagte er. Ihm sei es damals darum gegangen, in der Pfarrei ein Zeichen der Verbundenheit mit den Menschen in der sogenannten Dritten Welt zu setzen, und die Idee von der Hilfe zur Selbsthilfe voranzubringen.

Trägerverein des Vilsbiburger Weltladens ist der Langquaider Verein Solidarität mit der Einen Welt. Dessen Vorsitzender Ulrich Frey würdigte die Vilsbiburger als Fels in der Brandung. Freys Geschenk bestand aus einer Figur des Bischofs Nikolaus: "Er ist das Verbindungsglied zwischen euch und mir." Der Weltladen war vor gut 20 Jahren während des Nikolausmarkts eröffnet worden. An die Ehrenamtlichen gewandt, sagte Frey: "Die Unterstützung und das ganz klare Bekenntnis zum fairen Handel durch Pfarrer Siegfried Heilmer und die Pfarrei Vilsbiburg haben euch standfest gemacht."

Ulrich Frey, der selbst als Nikolaus unterwegs ist, um Schulkindern und Krankenhauspatienten Trost zu spenden, erinnerte daran, dass es keinen Schutzheiligen für fairen Handel und in diesem Sinne Engagierte gebe. Der Nikolaus biete sich an: Frey überreichte Valentin den Bischofsstab. Valentin sei der gute Hirte der Herde, der Stab Zeichen der Autorität. Ähnlich verhalte es sich mit der Mitra. "In eurem Weltladen gehört sie auf den Kopf von der Conny." Damit meinte er die Ladenverantwortliche Conny Eckart, die seit 20 Jahren dabei ist. Bei ihr laufen alle Fäden zusammen. Mit Bibel und Kreuz, "die Kompassnadeln", wende er sich an die vielen Ehrenamtlichen, sagte Frey. Bei den drei Äpfeln auf der Bibel handle es sich um die Insignien der ganz praktischen Hilfe. Sie stünden für den Dienst im Weltladen, die dort Einkaufenden und die vielen Ideen für den fairen Handel. "Ich bin stolz auf euch und den Treml."

Forderung mit Musik

Hubert Treml ist Mitglied im Trägerverein und war auch schon dessen Vizevorsitzender. Freys Ankündigung, dass Tremls Herz für den fairen Handel brennt und dies hervorragend musikalisch ausdrücke, war nicht übertrieben. Treml an Gitarre und Mundharmonika, Florian Speth am Schlagzeug und Sebastian Wurzer an den Saxophonen traten als Die-Welt-is-a-Dorfmusikanten auf. Unter dem Motto "Feel Fairgnügen" machten die drei deutlich, dass ein so ernstes Thema wie der Welthandel bestens gelaunt, sehr spaßig und auch informativ unters Publikum gebracht werden kann. Und musizieren können die drei sowieso. Begleitet von Speth und Wurzer sang Treml über die ehrenamtliche Arbeit in einem Weltladen, darüber, dass sich dort zwei fürs Leben finden können und über das, was Solidarität bedeutet. Es ging auch um das sich reimende Frage- und Antwort-Paar Klimawandel/Fairer Handel. Gegen Fremdenhass und Rassismus sang Treml ebenfalls an.
Eine der Forderungen, die die Band musikalisch übermittelte, lautete, aus Vilsbiburg endlich eine Fair-Trade-Stadt zu machen. Dazu lieferte Treml Textzeilen wie diese: "You are a Vils without a Biburg, if you are no Fair-trade-town." Auf VZ-Nachfrage antwortete Bürgermeister Helmut Haider später so wohlwollend wie zurückhaltend: Man werde die Regularien überprüfen, nach denen eine Stadt als Fair-Trade-Stadt zertifiziert werde.