Fairer Handel statt freier Handel

Am Dionysi-Markttag im Eine-Welt-Laden einkaufen

 

 

Wenn im Rahmen des Dionysimarktes hunderte kauflustiger Besucher aus Stadt und Umland bei den Standlbetreibern und in den ansässigen Geschäften einkaufen, sollte auch der Eine-Welt-Laden in der Kirchstraße nicht vergessen werden.

Seit mittlerweile 20 Jahren sind die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen in Vilsbiburg Tag für Tag im Interesse des „fairen Handels weltweit“ tätig. Neben dem Verkauf ihres lukrativen, fairen Warensortimentes, das auf Grund der Mitgliedschaft im Weltladendachverband den „Konventionen der Weltläden“ entspricht, bemühen sich die Ladendamen, das Bewusstsein für „Gerechtigkeit im Welthandel“ zu schärfen. Immer auf's Neue wird sowohl im persönlichen Gespräch, als auch mit schriftlichem Informationsmaterial auf die Prinzipien des Fairen Handels hingewiesen.

 

 

Wir alle lieben es, wenn die ganze Welt auf dem häuslichen Esstisch zu Gast ist. Aber vermutlich gehen unsere Gedanken beim Genuss von Kaffee, Tee, Bananen, Schokolade und Gewürzen nicht unbedingt den langen Weg zurück, den diese Produkte aus den sogenannten Entwicklungsländern hinter sich haben. Warum sollte man sich auch großartig Gedanken machen? Sind doch trotz der „langen Anreise“ die Endprodukte hier bei uns sehr billig zu haben. Entfernte Herkunft und weite Anreise haben zwar schon ihren Preis, aber den zahlen andere: Viele Menschen in den Anbauländern arbeiten unter unwürdigen Bedingungen und erhalten für ihre Arbeit keinen gerechten Lohn oder sie bekommen für ihre Ernteerträge so niedrige Preise, dass nicht einmal die Produktionskosten gedeckt sind. Diese allgemein übliche Art von Handel bedroht die Existenz von unzähligen Kleinbauern und Arbeiterfamilien - und für sie setzt sich der Faire Handel ein.

 

100 Prozent Fairer Handel bedeutet: Nicht der Gewinn ist wichtig sondern direkte langfristige Partnerschaften. Damit können ausbeuterische Zwischenhändler ausgeschaltet werden. Kinderarbeit wird strikt unterbunden. Kinder sollen eine Schule besuchen und nicht mühsam zum Familienunterhalt beitragen müssen. Damit zum Beispiel die Kosten für Erntehelfer und Rohmaterialien vorab gedeckt werden, wird bei Bedarf eine Vorfinanzierung bis zu hundert Prozent - zinsfrei - gewährt. „Wenn die Ware bei uns im Laden ist“, so erklärt Cornelia Eckart „haben die Produzenten schon ihr Geld“.

 

 

Ein ganz großes Ziel des Fairen Handels ist es:  Armut in allen ihren Formen und überall beenden. Nach Angaben der Vereinten Nationen könnte die Zahl der Hungernden weltweit um 150 Millionen verringert werden, würde man Geschlechterungerechtigkeit endlich überwinden. Der Faire Handel legt besonderen Wert auf die Förderung von Frauen, damit sie über Mittel und Kenntnisse verfügen, ihre Zukunftschancen aus eigener Kraft zu verbessern.

Weiter hat sich der Faire Handel wirksame Maßnahmen zum Klimaschutz, als wichtiges Ziel gesetzt. Das soll schnellstmöglich durch intensive Beratung der Bauern vor Ort und gegebenenfalls durch Umstellung auf ökologische Landwirtschaft erreicht werden.

 

Global gesehen sind die Machtverhältnisse entlang der Produktionskette im Welthandel sehr ungleich verteilt. Markenhersteller und Händler teilen sich gut 80 Prozent des Wertes einer Lieferkette. Produzenten und Beschäftigte sind jedoch oft vom Zugang zu globalen Märkten und von der Teilhabe am Marktwert ausgeschlossen. Sie haben keine Möglichkeiten, etwas  mitzugestalten, auch wenn es sie persönlich betrifft.

Anlässlich des jüngsten Afrikabesuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte der Ökonom und Afrika-Experte Professor Robert Kappel: Statt klassischer Entwicklungshilfe, sollte man die Staaten besser bei Industrialisierung und Infrastruktur unterstützen. Er forderte „fairen, statt freien Handel“ - eine Aussage die für die Weltläden, die Fachgeschäfte für den Fairen Handel spricht.

 

 

Die Ladendamen in der Kirchstraße haben am Dionysisonntag von 12 bis 17 Uhr geöffnet. Sie halten kleine, faire Kostproben bereit und sie freuen sich, im Gespräch die Vorzüge ihrer ausschließlich fair gehandelter Produkte vorzustellen zu dürfen.

 

Evelyne Betz