Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des Vereins „Solidarität in der Einen Welt e.V., Regensburg“ (Träger des Weltladens Vilsbiburg) waren Gäste aus Kenia in der Diözese Regensburg.

 

 

 

Am 6. Mai besuchte die Gruppe aus Kenia auch Vilsbiburg.

 

Die Gäste berichten über ihre Arbeit und Projekte in ihrer Heimat.
Anschließend war Zeit zum Austausch.

 

Gäste aus Kenia

 

Presse: Helmut Riepl

 

Beeindruckendes Engagement in Kenia

Als interessanter Begegnungsabend war der Besuch von kenianischen Frauen und Männern angekündigt, aber es wurde eine überaus eindrucksvolle Demonstration von Eigeninitiative und Hilfe zur Selbsthilfe. Am Beispiel von drei Projekten konnten sich die zahlreichen Besucher des Abends davon überzeugen, wie mit Hilfe von Spenden und aus eigener Kraft Leben verbessert wird und Zukunft geschaffen wird.

 

Gerhard Valentin, der Leiter des „FAIR Eine-Welt-Laden“ Vilsbiburg begrüßte im gut besuchten Pfarrsaal acht Gäste aus der Erzdiözese Nyeri, die sich zurzeit anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Vereins „Solidarität mit der einen Welt“ im Bistum Regensburg aufhalten und deren Begleitpersonen aus dem Jubiläumsverein. Nach, wie er meinte, „unzählbaren Jahren“ Missionsarbeit in Vilsbiburg, feiere der hiesige „Weltladen“ in diesem Jahr sein 10-jähriges Bestehen und er freue sich, zu diesem Anlass die kenianischen Gäste hier begrüßen zu dürfen. 

Die afrikanischen Besucher wurden namentlich und in ihrer Funktion vorgestellt, ergänzend dazu lagen im Saal Informationsblätter mit Fotos und Aufgabenbeschreibung auf. So erfuhr das interessierte Publikum, dass Pfarrer Martin Mwangi Ndegwa u. a. pastoraler Koordinator für alle katholischen Laienbewegungen und für die katholische Frauenkooperative „MWENDI-WEGA“ verantwortlich ist, einem Kleinkredit Programm, das Frauen die Möglichkeit bietet, ihr Kleingewerbe auf- und auszubauen. Molly Wakiuru Njogu, verheiratet und Mutter von drei Kindern, Mitglied des katholischen Frauenbundes und Ratsmitglied der Kooperative „SACCO“ engagiert sich in der Vermarktung von Kleinbusiness Aktivitäten von Frauen und hat durch ihr persönliches Beispiel Frauen ermutigt und gezeigt, wie geschäftliche Aktivitäten den Wohlstand von Frauen im ländlichen Raum verbessern. Steven Gituthu Waweru wurde als Programmkoordinatior für das Programm „Lebensunterhalt“ der Caritas Nyeri vorgestellt, das mit 36 Gruppen von Bauern und 3 Vermarktungs-Gesellschaften arbeitet. Die Diözesanvorsitzende des Frauenbundes in Nyeri, Elizabeth Mwangi, ist im Entscheidungsgremium der Kleinkreditekooperative, die über 700 Mitglieder zählt und hilft vor allem bei Verbesserung nachhaltiger Vermarktungsstrategien. Nicholas Muragu Wambugu, Mitarbeiter der Caritas Nyeri, arbeitet zurzeit mit 30 Gruppen zu je 35 Mitgliedern, die jeweils kleingewerbliche Landwirtschaft betreiben. Gemeinsam mit ihnen versucht er die Vermarktungschancen und den Verkauf der Produkte auf den lokalen Märkten und für den Export zu verbessern. Bruder Harun Kamau Mbuchi gründete als Ordensbruder der Gemeinschaft von St. Joseph das HIV/Aids Projekt seiner Kongregation, Jane Wanjiru Kigotho wurde als Programmleiterin im Bereich Agrarvermarktung für die Orgination „SACDEP“, einer Entwicklungsagentur, die auf Gemeindeebene mit Farmer Gruppen zusammenarbeitet vorgestellt und Simon Wanjohi Mwangi arbeitet für die Caritas Nyeri als leitender Mitarbeiter der diözesanen Justice and Peace Kommission und führt Gemeindeprojekte durch, die sich auf  Menschenrechte, Gerechtigkeit und Entwicklung fokussieren. Simon Wanjohi betonte, dass seine Gruppe für den Empfang in den verschiedenen Orten und den regen Austausch an Erfahrungen sehr dankbar sei. Die partnerschaftliche Beziehung der Erzdiözese Nyeri zur Diözese Regensburg sei sehr wichtig. Diese Begegnungen und wechselseitigen Besuche hätten geholfen, das Leben des Anderen zu verstehen. So würde Partnerschaft zur Gemeinschaft. Drei Projekte seiner Begleiter und deren Arbeit sollten an diesem Abend stellvertretend ausführlicher vorgestellt werden. Als Einleitung zu dieser Projektvorstellung sangen die kenianischen Gäste ihre Nationalhymne und verbanden damit die Bitte, vor dem Auseinandergehen von ihren Gastgebern auch die hiesige Landshymne zu hören. Mit großem Interesse verfolgten die Zuhörer den  Bericht von  Elizabeth Mwangi, der Diözesanvorsitzenden des Frauenbundes. Sie informierte über die Vermarktung der Produkte und  über HIV – Projekte. Unter dem Motto „Stark im Glauben“ wird in ihrem Projekt Bewusstseinsbildung gefördert und sie startet Hilfsaktionen für Frauen beispielsweise bei Beerdigungen und Hochzeiten. In Seminaren auf Pfarrei- und Diözesanebene vermittelt sie den Frauen Stärkung in ihrem Selbstbewusstsein. Sie leistet Aufklärungsarbeit, um gegen die noch immer verbreitete Beschneidung der Frauen vorzugehen und hilft den Frauen im Verein für Kleinkredite durch Startdarlehen zu kleinen Zinssätzen zum Aufbau eines eigenen Einkommens. Große Aufmerksamkeit fand auch Jane Wanjiru für die Schilderung der Situation auf dem Agrarsektor, wo ein Landbesitz von ca. 0,5 Hektar für Eigenbedarf und Verkauf auf Märkten genutzt würde. Dabei setze sie sich in ihrer Organisation „SACDEP“ in enger Zusammenarbeit mit der Caritas in 15 Distrikten innerhalb 4 Provinzen besonders für Gruppen mit sehr geringem Einkommen ein. Sie arbeite zusammen mit den Bauern am Zugang zu den Märkten, knüpfe Verbindungen zu Hotels und Restaurants für die Vermarktung von Milchprodukten und Säften und organisiere Märkte für Bio-Produkte. Bildung und Weiterbildung sei ihr ein besonderes Anliegen. Sie seien Vorraussetzung für höhere Chancen und einen dauerhaften Erfolg. Bruder Harun berichtete vom Projekt für HIV-Infizierte, das von seiner Ordensgemeinschaft getragen wird. Der Kongregation St. Joseph gehören 100 Ordensbrüder an, die in fünf Diözesen Kenias wirken. Aids betreffe alle, arm und reich, Männer, Frauen und Kinder. Der Orden unterhalte Beratungs- und Testzentren und gehe zu Aufklärungsveranstaltungen in  Kirchen und öffentliche Räume. An den Selbsthilfegruppen würden allerdings mehrheitlich Frauen teilnehmen, Männer würden sich dem eher verschließen.  Eine wichtige Aufgabe seien Projekte für Einkommen, die zu einem menschenwürdigen Leben verhelfen. Spiritueller Beistand sei aber ebenso wichtig, wie materielle Hilfe. Er kämpfe mit seinen Mitbrüdern gegen Diskriminierung und für Eingliederung in die Gemeinschaft. Zu den Bildungsmaßnahmen gehöre auch beispielsweise das Anlernen im Umgang mit Milchziegen. Eine Ziege bedeute für eine Familie sehr viel und verbessere die Lebensverhältnisse nachhaltig. Ziegenmilch sei besonders nahrhaft und stärke dadurch das Immunsystem. Außerdem sei der Preis für Ziegenmilch deutlich höher als für Kuhmilch.

Alle Anwesenden zeigten sich äußerst beeindruckt vom Einsatz der kenianischen Gäste, stellten Fragen und bekamen ausführliche Antworten. Stadtpfarrer Siegfried Heilmer sprach seine hohe Anerkennung aus. Er habe großen Respekt und sei erfreut, dass so hochqualifizierte Leute dort arbeiten. Bei uns würde für die Mission zwar gerne Geld gespendet, an diesem Abend konnte man jedoch erleben, wie das umgesetzt wird durch diese positiven Beispiele für Eigeninitiative. Als Beitrag für diese Projekte überreichte er eine Geldspende von € 500.--. Die Afrikaner nahmen sein Lob dankbar an und freuten sich über den finanziellen Beitrag. Die Gäste aus Kenia erinnerten daran, dass die Gastgeber zum Abschied die Landeshymne singen sollten und so erklang dann doch recht textsicher die Bayernhymne. Anzumerken ist noch, dass den ganzen Abend über die anstrengende Aufgabe der Übersetzung von Englisch in Deutsch in dankenswerter Weise von Christian Stich aus dem Verein „Solidarität in der Einen Welt e.V.“ aus Regensburg übernommen wurde.